Figma Make gegen v0 — und warum die Trennung Design/Code für mich nie existiert hat
Figma und Vercel bauen beide Prompt-zu-Code-Tools. Welches besser ist, hängt davon ab, ob du Designer oder Entwickler bist. Als Solo-Mensch bin ich beides.
Zwei Tools liegen seit Monaten in meinem Workflow und machen auf den ersten Blick dasselbe: Du tippst, was du willst, und bekommst lauffähigen Code. Figma Make und v0 von Vercel. Wer beide nur überfliegt, hält sie für austauschbar. Sind sie nicht. Und der Unterschied sagt mehr über die Branche aus als über die Tools.
Wo sie herkommen
Figma Make sitzt direkt im Figma. Du startest aus deinem Design, beschreibst, was passieren soll, und kriegst HTML, CSS und JavaScript zurück, die du im selben Fenster weiter anpasst. Per Default läuft das Ding auf Claude Sonnet 4.5, mit Modell-Picker auf Gemini oder GPT, falls dir danach ist. Es denkt von der Leinwand her. Dein Brand, deine Komponenten, deine Struktur sind der Ausgangspunkt.
v0 kommt von der anderen Seite. Vercel hat es für Entwickler gebaut. Du beschreibst eine Komponente, und raus kommt React mit Tailwind, aufgesetzt auf shadcn/ui. Eine Pricing-Card, eine Sidebar, eine Datentabelle, ein ganzes Dashboard. Der Code ist nicht "fast brauchbar", sondern landet ohne Lint-Warnung in einem echten Repo und plugt sich nahtlos in die Deploy-Pipeline ein, in der ich ohnehin schon stecke.
Wann ich was nehme
Konkret: Wenn ein Kunde mir ein fertiges Figma schickt oder wir zusammen am Layout sitzen, ist Figma Make der kürzere Weg vom Bild zum klickbaren Prototyp. Niemand exportiert mehr Assets von Hand, niemand misst Abstände nach. Die Struktur aus dem Design wandert direkt in den Output.
Wenn ich dagegen in einem Next.js-Projekt sitze und schnell ein Formular oder eine Modal-Variante brauche, die zum bestehenden shadcn-Setup passt, öffne ich v0. Der Code kommt im selben Dialekt wie der Rest meiner Codebase. Kein Übersetzen, kein Umschreiben von generischem Markup auf meine Komponenten.
Die Faustregel, die sich bei mir eingeschliffen hat: Figma Make, wenn das Design führt. v0, wenn der Code führt.
Der Punkt, den niemand laut sagt
Figmas eigener State-of-the-Designer-Report 2026 schreibt, dass die Grenze zwischen Design und Entwicklung sich auflöst. PMs und Entwickler reden früher mit, Designer rutschen näher an echten Code. 91 Prozent der Designer, die mehr KI nutzen, sagen, ihre Ergebnisse seien dadurch besser geworden, nicht nur schneller.
Für eine Agentur mit getrenntem Design- und Dev-Team ist das eine Reorganisation. Wer baut jetzt was, wer übergibt an wen, wann ist ein Handoff noch ein Handoff. Für mich ist es Dienstag. Ich war nie zwei Abteilungen. Ich zeichne das Layout, ich schreibe den Code, ich deploye. Diese Tools schließen eine Lücke, die bei Solo-Leuten nie offen war. Sie geben mir nur ein schnelleres Werkzeug für einen Sprung, den ich sowieso jeden Tag mache.
Genau deshalb ist die Frage "Figma Make oder v0" für mich falsch gestellt. Es ist kein Entweder-oder. Es sind zwei Eingänge in denselben Raum, und ich nehme den, der gerade näher ist.
Wo beide noch nerven
Figma Make produziert sauberen, aber generischen Code. Sobald ich Logik will, die über Prototyp hinausgeht, schreibe ich um. Es ist ein hervorragender Startpunkt, kein Endprodukt.
v0 wiederum kettet dich an sein Ökosystem. shadcn, Tailwind, Next.js, Vercel. Wenn dein Projekt anders aufgebaut ist, kämpfst du gegen den Output statt mit ihm. Und beide neigen dazu, dir Code zu geben, der aussieht wie zehntausend andere v0- und Figma-Outputs. Wer nicht hinterher den eigenen Charakter reinbringt, liefert Vorlagenware ab.
Das ist die eigentliche Arbeit, die bleibt. Die Tools nehmen mir das mechanische Tippen ab. Den Geschmack, die Entscheidung, was weggelassen wird, das Detail, an dem ein Kunde merkt, dass da ein Mensch saß: das kommt weiter von mir. Und ehrlich gesagt ist mir das ganz recht so.
Sources:
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